Keine utopischen Vorsätze mehr

Es ist nicht allzu schwer sich mit manchen Themen auseinander zu setzen, wenn man es denn tut. Weniger Fleisch essen, mehr Sport treiben, weniger am oder vor dem Bildschirm sitzen – alles Vorsätze, pünktlich zum Jahreswechsel wieder aus der alljährlichen Schublade hervorgeholt um den allgemeinen Anforderungen der ‚Leistungsgesellschaft‘ zu entsprechen. Die gleiche Leistungsgesellschaft, die diese Anforderungen praktischer weise auch gleich für einen definiert.

Vom Niemand zum Influencer

Ich denke nicht, dass die Leistungsgesellschaft mehr damit zu tun hat, dass man möglichst früh „etwas aus sich macht“, danach schnell erfolreich wird und später dann keine Freizeit mehr hat, da die Arbeit mit Personalverantwortung nunmal vorgeht. Ich denke, dass es viel früher ansetzt: Nicht das sein zu können, was man auf Youtube aboniert oder auf Instagram gefollowed hat – einfach, weil man Reife, Geld oder andere Voraussetzungen nicht erfüllt. Das amerikanische Vorbild vom Tellerwäscher zum Millionär ist auch hier angekommen, nur weniger Abstrakt. Es ist nicht mehr irgendein Tellerwäscher oder irgendein Millionär – es ist dieser Lifestyle, den diese*r eine Influencer*in hat, die Story: Nichts zu haben und durch Zufall berühmt zu werden oder sich eben den Weg im Internet erarbeiten zu können. Während das “ original“ amerikanische Vorbild jedoch noch harte Arbeit impliziert, wird es für unsere Generation dargestellt als bekäme man seinen Aufstieg sofort und ohne Mühe.

Weg und Ziel

Dabei brüstet sich doch gerade die „reale“ Unterhaltungsindustrie mit Dingen wie „Sei du selbst“, “ tue was dir Spaß macht“ – die Message ist ernst gemeint, das glaube ich. Und ja: Es inspiriert viele junge Menschen das zu tun. Jedoch die eigentliche Sache bleibt auf der Strecke: Sich selbst Gedanken machen, die eigenen Interessen definieren, an sich selbst wachsen. Das sollte Weg und Ziel sein, weil nur so haben die Menschen vor der Kamera Erfolg, nur so entsteht ‚original Content‘ und nur so bewahren wir uns selbst davor uns weiterhin die von perfekten Menschen geschaffenen Vorsätze vor zu nehmen und machen uns selbst Gedanken darum was wir wirklich brauchen um nicht zu anderen sondern zu uns relaten zu können.